Mittwoch, 14. Mai 2014

Jutte Wilke - "Dornenherz"








Seit Annas Schwester vor einem Jahr gestorben ist, vergräbt sie sich in ihrer Trauer und ihren Schuldgefühlen. Sie gibt sich regelrecht selbst auf und vergisst ihre eigenen Bedürfnisse. Als sie endlich einmal wieder ihrer Leidenschaft des Zeichnens nachgeht, findet sie auf der Suche nach dem passenden Motiv einen steinernen Engel auf einem Friedhof - und eine neue Hoffnung für ihr eigenes Leben.





Der letzte Satz des Klappentextes hatte meine Neugier geweckt: "Wie magisch angezogen, tritt sie näher an den Engel heran und berührt eine der weißen Blüten zu seinen Füßen. Nicht ahnend, dass sie damit eine schicksalhafte Wendung in Gang setzt ... ". Was wird wohl diese Schicksalhafte Wendung sein? Was für ein großes Geheimnis erwartet den Leser? Es klang so geheimnisvoll und mysteriös, dass ich das Buch dann unbedingt lesen wollte. Und ich kann es nun einfach nicht lassen, euch zu spoilern ... also Achtung! Bitte nicht weiterlesen, wer dieses Wahnsinns-Geheimnis nicht wissen will! ... Die mysteriöse Handlung ist: Sie lernt einen Jungen kennen und verliebt sich in ihn! Ja, ernsthaft, das ist so ziemlich alles, was passiert - und meine Enttäuschung war entsprechend groß.

Nun ist das Buch ja nicht sonderlich dick, sodass ich nicht wirklich mit viel mysteriösem gerechnet habe, aber was ich nun tatsächlich geboten bekam, war unter aller Kanone. Zum einen konnte ich mich mit der Protagonistin schonmal nicht anfreunden. Man steigt ein Jahr nach dem Tod ihrer Schwester in die Geschichte ein und bekommt mit, dass Anna selbst sich deswegen furchtbar schuldig fühlt und immer mehr versucht, für ihre Eltern die tote Schwester zu ersetzen. Das geht sogar so weit, dass sie mit dem damaligen Freund ihrer Schwester zusammen ist, was ich irgendwie fast schon makaber fand. Auch konnte ich ihre extremen Schuldgefühle und ihre Trauer nicht wirklich nachfühlen, was wahrscheinlich an dem Kaltstart liegt, den das Buch hinlegt. Wenigstens ein Prolog aus der Zeit mit der Schwester hätte wohl ganz gut getan, um eine bessere Verbindung aufzubauen.

Das nächste Problem besteht im zweiten Handlungsfaden. Es gibt im Buch tatsächlich einen mysteriösen Touch, den ich aber beim besten Willen einfach nicht verstanden habe: Ab und zu schiebt sich ein kurzes Kapitel ein, dass vor etwa hundert Jahren spielt und die schicksalhafte Liebe eines Mädchens aus gutem Hause in sehr knappen Episoden erzählt. Die Geschichte ähnelt vom Grundgerüst her sehr Annas Liebesleben und auch die Namen der Protagonisten sind ähnlich, sodass auch dem dümmsten Leser der Vergleich leicht fallen sollte. Außerdem wird schnell klar, dass Anna den Grabengel eben dieses Mädchens gezeichnet hat. Allerdings bleibt vollkommen unbegründet, was dieses Leben nun mit dem von Anna zu tun hat. Ich hätte da gleich ein paar Möglichkeiten anzubieten, die Autorin aber scheinbar keine einzige, außer dass Anna irgendwann bei einer Ausstellung ein Foto von dem Mädchen aus der Vergangenheit sieht und ohnmächtig wird (Wieso, weshalb, warum? - Keine Ahnung!). Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, bekommt man als Leser dann auch noch ein wunderbar hollywoodreifes und alles andere als kitschfreies Ende geboten.

Das einzige, was dieses Buch noch auf zwei Kronen gebracht hat, ist eigentlich die Tatsache, dass der Schreibstil schön locker wegzulesen war und dass ich die Wechselseitigkeit der Zeiten und der sich wiederholenden Geschichte ganz nett fand. Dadurch wollte ich auch ganz gerne weiterlesen und wissen, wie sich das denn auflöst. Massiven Punktabzug gab es dann natürlich, als sich rein gar nichts auflöste. So blieb ich leider mehr als enttäuscht und unbefriedigt zurück - Schade.


Verlag: Coppenrath
Seiten: 224
ISBN: 978-3649613701
Preis: 14,95 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: Januar 2014
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