Posts mit dem Label Rezension werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rezension werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 11. November 2014

Christoph Gass - "Bloody Catwalk"






















Kilian ist ein Hybride, gefangen im Übergang vom Menschen zum Vampir und als Modedesigner lebt er zwischen lauter perfekten Vampirmodels. Sein Freund Nils, der Vampir, der ihn verwandelt hat, wird eines Tages tot aufgefunden. Jeder denkt, dass es Selbstmord war, nur Kilian glaubt, dass mehr dahinter steckt ...



Manchmal frage ich mich bei Büchern, ob wirklich der korrekte Klappentext aufgedruckt wurde, oder ob da nicht vielleicht jemand gepennt und aus versehen den falschen geschrieben hat. Der klang nämlich auch bei diesem Buch vielversprechend und gut, gab nur leider nicht den wirklichen Inhalt wieder. Ich habe mich auf ein paar exzentrische Vampire gefreut, die sich in der Modewelt herumtreiben, auf einen Teil unserer Welt, der von den Wesen der Nacht unterwandert wird. Was ich bekam, war dann aber leider ganz, ganz anders und ein bißchen kann ich den Klappentextschreiber verstehen - ich weiß nämlich auch nicht so recht, um was es nun eigentlich ging und wie man das Gewirr vernünftig zusammenfassen soll.

Es beginnt schon damit, dass nicht klar gemacht wird, wo man sich befindet. Es wird schnell klar, dass es nicht unsere Realität ist - aber was dann? Spielt der Roman in der Zukunft? Wenn ja, wann? Oder in einer parallelen Realität? In einer kompletten Fantasywelt? Erst nach und nach erkämpft man sich als Leser ein paar Informationshappen und fügt sie zu einem halbwegs funktionierenden Bild zusammen. Aber eben nur halbwegs. Genauso ergeht es einem mit dem Vampirmythos. Kilian beginnt gleich am Anfang dem Leser die Ohren vollzujammern über seinen bedauerlichen Hybridenzustand. Was es damit auf sich hat, erfährt man als Leser aber ebenfalls erst nach und nach in klitzekleinen Happen. Der verwendete Vampirmythos wird als bekannt vorausgesetzt, ist aber unbekannt, da der Autor seine ganz eigene Mischung geschaffen hat. Verwirrend? Ja, definitiv! Und daher habe ich auch nie wirklich in die Geschichte hineingefunden.

Ich bin auch nicht sicher, an wen sich das Buch eigentlich richtet oder welchem Genre es angehören will. Es scheint eher so, als wollte der Autor mit aller Macht alle ansprechen und so findet man Mystik, Dystopie, Fantasy, Krimi, Thriller, Liebesroman, Erotik usw. alles in einem. Man kann quasi jedes Kapitel einem anderen Genre zuordnen. Daneben ist auch der Schreibstil ziemlich hölzern. Die Gespräche wirken allesamt gestellt und die einzelnen Szenen künstlich wie eine RTL-Nachmittags-Doku.

Auch wenn es mir gerade bei neuen Autoren immer schwer fällt, nicht doch irgendwo noch was Gutes zu finden, gelingt es mir hier leider nicht. Das Cover, ja, das sieht gut aus, aber alles was sich dahinter verbirgt ist wohl mit das Schlechteste, was ich jemals gelesen habe. Nichts passt zusammen, nichts wird erklärt und es liest sich so trocken wie der Wüstensand.


Verlag: books2read
Seiten: 264
ASIN: B00M4DNBG6
Preis: 3,99 € (E-Book)
Erscheinungsdatum: 15. August 2014
Mehr Meinungen gibt's auf Blogg dein Buch



Samstag, 23. August 2014

Heather Webber - "Eine zauberhafte Gabe"























Lucy Valentines Familie ist alles andere als normal. Jeder einzelne von ihnen kann die Auren anderer Menschen sehen und so erkennen, wer zusammenpasst - perfekt, wenn man eine Partnervermittlung betreibt. Lucy fällt jedoch aus dem Rahmen, da sie diese Gabe durch einen Unfall verloren hat. Dafür kann sie aber Dinge wiederfinden, die andere für endgültig verloren hielten und damit kann sie nun sogar der Polizei helfen, einen lange ungeklärten Vermisstenfall aufzuklären.


Eigentlich braucht dieses Buch einen fetten Aufdruck auf dem Cover: ACHTUNG! Zweiter Teil einer Reihe! - oder wenigstens einen dezenten Hinweis durch einen Reihentitel. Irgendetwas halt. Leider gibt es nichts dergleichen und ich erfuhr nur mitten im Lesen davon und fand dann später in der Autorenbeschreibung im Inneren des Buches einen winzigen Satz dazu. Schade, denn das verhagelt einem doch beim Lesen schon ganz schön die Stimmung.

Gleich in den ersten Kapiteln wird man mit einem guten Dutzend Personen konfrontiert, die zwar ganz kurz angerissen, aber nicht genauer erklärt werden. Ein Haufen Kerle mit teilweise ähnlichen Namen und jedemenge Spitznamen der Protagonisten untereinander. Dazu gleich ein hübsches Bündel Handlungsstränge, die teilweise wie aus der Luft gegriffen waren. Hilfe! Mir schwirrte nach wenigen Seiten der Kopf! Klar, kennt man den ersten Teil, dann kennt man auch die Personen bereits und ein Teil der Handlungsstränge wurden anscheinend aus dem vorherigen Band weitergeführt. Denkt man aber, es handle sich um einen Einzelband, kommt man extrem ins schleudern und ist mehr als ratlos.

Dennoch hat es mir gefallen, dass die Handlung sich nicht an einem einzigen Faden festbeißt, sondern immer wieder neue Dinge mit einstreut. Dass Lucy aber gleichzeitig an mehreren Fällen arbeitet (was ja eigentlich nur realistisch ist), macht es manchmal auch etwas verwirrend, einzuordnen, was nun wohin gehört. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass ich mit den Hauptfiguren schon Probleme hatte, sie auseinander zu halten. Die vielen Nebenpersonen aus den Fällen hatten dann einfach keinen Platz mehr in meinem imaginären Portfolio. Da gab's dann nur noch die Kategorie "gehört zu einem Fall" - zu welchem wird sich dann schon ergeben. Ich nehme an, dass das auch ein wenig besser geht, wenn man schon im vorherigen Band Zeit hatte, die Hauptpersonen näher kennenzulernen.

Der Erzählstil hat mir sehr gut gefallen, weshalb das Buch auch noch die hohe Punktzahl abgreift, obwohl ich so oft ins Schleudern kam. Heather Webber hat eine sehr anschauliche und natürliche Sprache gewählt, sodass auch die Gespräche der Personen untereinander immer natürlich wirkten. Manchmal sogar etwas zu natürlich, denn wie im wahren Leben kommen die Protagonisten dann auch einmal für ein paar Zeilen vom Thema ab, was ich witzig fand, aber manchmal auch ein wenig ermüdend. Was mich allerdings sehr gestört hat, war die Beschreibung der Personen. Jeder einzelne, wirklich jeder, sieht ausnahmslos umwerfend aus. In Lucys Welt scheint es keine unattraktiven Menschen zu geben und ich fand es absolut erstaunlich, dass sie die Attraktivität der ihr begegnenden Menschen noch als außergewöhnlich hervorheben konnte - immerhin konnte man den Satz bei jeder neu eingeführten Person lesen. Das wird dann doch irgendwie langweilig.

Ich kann "Eine Zauberhafte Gabe" absolut weiterempfehlen. Der Schreibstil ist, abgesehen von den Personenbeschreibungen, großartig und die Geschichte ist gleichzeitig spannend und gefühlvoll. Allerdings sollte man das Buch nicht als Einzelband lesen, sondern sich vorher den ersten Teil "Im Auftrag der Liebe" vornehmen.


Verlag: Goldmann
Seiten: 320
ISBN: 978-3442479856
Preis: 8,99 € (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 17. Februar 2014
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks


Mittwoch, 20. August 2014

Sarah Lotz - "Die Drei"










An einem einzigen Tag, später als "Schwarzer Donnerstag" bezeichnet, stürzen innerhalb weniger Stunden weltweit vier Flugzeuge ab. Aus den Trümmern, die eigentlich keine Überlebenden zulassen dürften werden drei Kinder geborgen und es entsteht eine weltweite Hysterie um die Unwahrscheinlichkeit dieses Ereignisses. Die Kinder scheinen nicht normal zu sein und werden sowohl für Außerirdische als auch für Boten Gottes oder gar die Apokalypse gehalten. Es entstehen religiöse Gruppierungen und Paparazzi folgen den Kindern und ihren Angehörigen auf Schritt und Tritt, um herauszufinden, was hinter ihrem Überleben steckt.





Ein Buch im Buch - das ist es, was man hier als erstes geboten bekommt. Die fiktive Reporterin Elspeth Martins fasst alle Ereignisse rund um den "Schwarzen Donnerstag" in diesem Buch zusammen. Nur wenige Seiten zu Beginn und am Ende beschreiben die Geschichte außerhalb des Buches. Nun, das kann im Grunde eine ziemlich interessante Sichtweise sein, ist es doch wie eine Art Sachbuch über ein Ereignis gehalten, dass von der Autorin (also der echten, nicht der fiktiven) nur ausgedacht wurde. Allerdings macht es das Lesen um einiges anstrengender als bei einem Roman, der einfach eine Geschichte erzählt und immer wieder dachte ich mir, dass hier und dort ein paar Kürzungen der Geschichte ganz gut getan hätten.

Bevor ich mich aber anfange, Dinge aufzuzählen, die mir nicht so zusagten, muss ich erst einmal meinen imaginären Hut vor der Autorin ziehen. Die detailreiche Ausarbeitung der Handlung und der einzelnen Figuren sowie der grandiose Schreibstil lassen den Leser schnell vergessen, dass alles nur erfunden ist. Viele aneinandergereihte Berichte oder Mitschriften erschaffen eine Atmosphäre, als ob man etwas aufdeckt und man liest allein aus dem Grund weiter, dass man endlich wissen will, was es mit den Kindern nun auf sich hat. Irgendetwas muss ja geschehen sein, was Elsbeth dazu veranlasst hat, die Einzelteile in ihrem Buch zusammen zu fassen. Die einzelnen Berichte sind dabei nicht immer abgeschlossen, sodass innerhalb des Zeitverlaufs immer wieder alte Stränge aufgegriffen werden. Es entsteht also durchaus so etwas wie eine durchgehende Handlung, aber erzählt aus vielen verschiedenen Sichtweisen und immer wieder gespickt mit Nebeninformationen.

Leider verläuft sich die Geschichte aber meiner Meinung nach zu sehr. Es wird dauerhaft eine gruselige Stimmung erzeugt. Man spürt, dass da etwas im Busch ist und man will unbedingt hinter das Geheimnis kommen, aber man muss dafür auch ziemlich viel Unwichtiges über sich ergehen lassen. Viele Berichte von Augenzeugen wiederholen sich und oft wird viel zu weit ausgeholt, nur um an einen einzigen Fakt zu kommen. Schlimmstes Beispiel ist wohl ein Autopsiebericht, der komplett abgedruckt wird, aber am Ende weiß man nur, dass nichts außergewöhnliches gefunden wurde. Gut, das war eine durchaus wichtige Information, aber warum muss man sich dafür den ganzen Bericht durchlesen? Eine Bemerkung am Rande hätte es wohl auch getan.

Am deprimierensten fand ich aber, dass man trotz der vielen Arbeit am Ende nicht viel schlauer ist als vorher. So wird natürlich die Spannung für den zweiten Teil erzeugt, den es laut Verlag geben soll. Wenn der dann als durchgängige Geschichte geschrieben ist, werde ich wahrscheinlich weiterlesen, denn wirklich viel konnte man diesem Teil ja noch nicht entlocken. Sollte jedoch wieder so eine arbeitsintensive Aneinanderreihung von Berichten auf den Leser warten, und am Ende so wenig Ergebnis stehen, dann müsste ich das aber nicht unbedingt noch einmal haben.


Verlag: Goldmann
Seiten: 512
ISBN: 978-3442313716
Preis: 14,99 € (Paperback)
Erscheinungsdatum: 11. August 2014
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks




Dienstag, 19. August 2014

Muriel Barbery - "Die Eleganz des Igels"
























Seit vielen Jahren ist Madame Michel Concierge in einem Pariser Wohnhaus reicher Leute. Nach außen gibt sie sich alle Mühe, unscheinbar zu wirken, versteckt sich in ihrer Loge und hat kaum Freunde. In ihrem Inneren tobt jedoch der Geist einer intelligenten Frau mit einer Vorliebe für hohe Literatur, korrekte Sprache und tiefsinnige Gedanken. Ein paar Etagen über ihr, in einer der teuren Behausungen, lebt ein kleines Mädchen, das ebenfalls unterschätzt wird und dank der Sinnlosigkeit ihres Daseins mit dem Gedanken an Selbstmord spielt.





Mir persönlich fällt es schwer, zusammenzufassen, um was es in diesem Buch geht, da sich viel geredet wird, aber nicht viel passiert, was man vorab verraten könnte. Madame Michel steht im Mittelpunkt der Geschichte und erzählt, was in ihrem Haus so vor sich geht und was sie selbst darüber denkt. Sehr schnell begreift man, dass sie für eine Concierge eigentlich viel zu intelligent ist und es ist amüsant zu lesen, wie sie diese Intelligenz vor den anderen Bewohnern des Hauses zu verbergen versucht. Sonderlich schwer ist das nicht, denn wie die meisten Reichen haben auch die Bewohner dieses Hauses keinen zweiten Blick für eine Concierge übrig - alle, bis auf eine. Die elfjähriges Paloma hat ihre eigene Sicht auf die Welt und teilt diese alle paar Kapitel im Rahmen ihrer "Tiefgründigen Gedanken" dem Leser mit.

Die Geschichte um Madame Michel hat mir von Anfang an gut gefallen, allerdings konnte ich mit den "Tiefgründigen Gedanken" der Kleinen nicht viel anfangen. Oft wirkte sie mir zu altklug und philosophierte für meinen Geschmack zu weit von der Story weg. Auch zur allgemeinen Handlung trug ihr Erzählfaden nicht wirklich bei und erst ziemlich spät finden die beiden Protagonistinnen zusammen. Zu spät, meiner Meinung nach, denn die meiste Zeit des Buches habe ich eigentlich nur darauf gewartet, dass nun endlich der Punkt kommt, an dem das ganze Gerede zusammengeführt wird.

Was als absolut herausragend zu beschreiben ist, ist der Schreibstil, denn der macht das Buch auch dann mit jeder einzelnen Seite lesenswert, wenn inhaltlich noch nicht allzuviel passiert. Jeder einzelne Satz ist perfekt formuliert, was er aber auch sein muss, immerhin ist Madame Michel solch ein Fan der korrekten Grammatik und präzisen Ausdrucksweise. Hut ab, vor solch einer Sprache! Alleine dafür lohnt es sich schon, dieses Buch zu lesen. Und selbst wenn die Lektüre manchmal nicht die leichteste ist, lohnt es sich, bis zum Ende durchzuhalten, denn da wird man wirklich überrascht!


Verlag: dtv
Seiten: 384
ISBN: 978-3423138147
Preis: 9,90 € (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2009
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks


Donnerstag, 14. August 2014

Helen Fielding - "Bridget Jones - Verrückt nach ihm"























Bridget Jones ist Zurück! 51 Jahre alt, mit zwei kleinen Kindern und alleinerziehend. Doch wo ist Mr. Darcy? In Rückblicken erzählt Bridget in gewohnter Tagebuch-Form, wie sie zur Witwe wurde und wie sie damit (nicht) zurechtkommt. Doch die Zeit der Trauer soll nun der Vergangenheit angehören und so wirft sich Bridget erneut in Dating- und Liebesabenteuer und zieht sich einen Toyboy an Land, den sie irgendwie mit ihrer Verantwortung als Mutter unter einen Hut bringen muss.





Turbulent, witzig, verrückt und schusselig. So kennen wir Bridget und so lieben wir sie. Zum Glück hat sich daran auch jenseits der 50 bei ihr nichts geändert und Helen Fielding lässt sie wie gewohnt von einem Fettnäpfchen ins nächste stapfen. Es ist amüsant und es ist unterhaltsam - und doch hat mir als Leser etwas gefehlt. Wo ist die Weiterentwicklung einer Figur, die sich in gefühlten 15 Jahren einigen Herausforderungen stellen musste und auch eine Familie gegründet hat?

Wie gewohnt ist das Buch in Form eines Tagebuchs geschrieben, allerdings zeitlich nicht unbedingt geradlinig, was dann wieder die Tagebuch-Form seltsam erscheinen lässt. Anfangs wird man ins aktuelle Geschehen eingeführt, in Bridgets leben, wie es jetzt ist: Über 50, alleinerziehende Mutter zweier zauberhafter aber natürlich auch anstrengender Kinder, versuchsweise Autorin eines Drehbuchs und (wie könnte es anders sein) einsamer Single. Mr. Darcy ist nicht da und es wird lange verschwiegen, was denn nun geschehen ist.

Dann gibt es einen Zeitsprung in die Vergangenheit, um aufzuholen, was wir Leser verpasst haben. Nun erfährt man auch (es ist wohl schon lange kein Geheimnis mehr), dass Mr. Darcy tot ist. Wie es dazu kam dürft ihr aber selbst nachlesen. Erst etwa ab der Hälfte des Buches geht es dann wieder in der Gegenwart weiter - und das mit den Anekdoten, die wir alle schon zur Genüge kennen. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen (Kinder!) etwas geändert haben, ist Bridget noch immer zu einhundert Prozent die gleiche. Keine Weiterentwicklung ist erkennbar und keine Veränderung im Verhalten. Entsprechend konnte ich sie auch nur schwer als 50jährige vor mir sehen und auch die noch sehr jungen Kinder passen kaum ins Bild (sie muss sie erst mit weit über 40 bekommen haben).

Die Story wirkt also nur notdürftig zusammengeschustert. Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, eine reifere Bridget zu zeigen und trotzdem witzige Szenen zu schreiben. Schusselig soll sie ja bleiben, aber ich hätte mir in diesem Buch dann doch mehr Szenen außerhalb des üblichen Dating-Gelages gewünscht. Unterhalten wurde ich trotzdem blendend. Ich bin einfach ein absoluter Fan der pointierten, britischen Art der Autorin. So ziemlich jede Szene lässt einen Schmunzeln oder manchmal auch mit dem Kopf schütteln. Und so kann auch ein eigentlich warmer Aufguss einer schon bekannten Story trotzdem noch sehr, sehr unterhaltsam und kurzweilig sein.


Verlag: Goldmann
Seiten: 512
ISBN: 978-3442480135
Preis: 14,99 € (Klappbroschur)
Erscheinungsdatum: 17. März 2014
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks


Mittwoch, 6. August 2014

Kerstin Gier - "Silber - Das zweite Buch der Träume"























Liv Silber hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass sie das Haus mit einer neuen Familie teilen muss. Und auch das Wandern in ihren Träumen ist für sie alltäglich geworden. Regelmäßig trifft sie sich mit ihrem Freund Henry auf dem Gang mit den Traumtüren und verbringt schöne Stunden. Es bleibt jedoch nicht lange so friedlich in der Welt der Schlafenden. Schon bald taucht ein seltsamer, bedrohlich wirkender Mann auf und das Ratespiel beginnt erneut. Dass das herumschleichen in Träumen auch Auswirkungen auf das reale Leben haben kann, bemerkt Liv, als ihre kleine Schwester Mia anfängt zu schlafwandeln und damit in tödliche Gefahr gerät.






"Das zweite Buch der Träume" konnte mich noch mehr überzeugen, als der erste Teil der Reihe. Die Handlung wirkt nicht mehr ganz so erzwungen und man kann einfach eintauchen und erst nach den letzten Seiten wieder erwachen. Spannend und unterhaltsam bleibt es dabei dauerhaft. Ich könnte Ewigkeiten damit verbringen, einfach Livs Traum- und Realitätsalltag zu folgen. Frei dem Motto "Irgendwas ist immer" wird man von einem Erlebnis ins andere geworfen und nicht immer sind es außergewöhnliche Dinge, sondern oft auch ganz alltägliche Sachen, wie die Beziehung der Mutter oder die neu eingeführte Großmutter, die sich als wahres Biest erweist. Diese Mischung aus Alltag und Fantasy macht wohl das Besondere aus, was einen einfach nicht vom Buch loskommen lässt.

Wenn ich etwas bemängeln müsste, dann wäre es wohl das Ende. Wie schon im ersten Band wirkt es auch hier überdramatisiert. Ganz so als müsste jetzt einfach unbedingt etwas ganz Außergewöhnliches passieren, ohne dass es so wirklich zum Rest passen mag. Das ganze Buch über bleibt der Fantasyanteil auf einem Level, den man als real akzeptieren kann ... und dann immer diese absurden Enden. Aber was soll's, dafür ist es ein Jugendbuch und ein bißchen Drama gehört halt einfach dazu. Viele wären wahrscheinlich eher enttäuscht, wenn es nicht so wäre.

Was besonders positiv auffällt, ist Kerstin Giers Umgang mit Dialogen. An keiner Stelle wirken sie gestelzt, sondern stets wie aus dem Leben gegriffen. Immer passiert irgendetwas um die Sprechenden herum und das Kopfkino kann ganze Arbeit leisten. Auf die anfängliche Beschreibung der Figuren, besonders der scheinbar gleich aussehenden Jungs, habe ich allerdings schon bald nicht mehr zurückgegriffen. Sie haben sich in meinem Kopf selbstständig gemacht und sehen jetzt wohl ganz anders aus, als Frau Gier es geplant hatte. Auf diese Weise wird mir Liv und ihre Welt aber wohl noch lange in Erinnerung bleiben und ich bin gespannt auf den nächsten Teil der Reihe, um wieder mit ihr in die Traumwelt reisen zu können.


Verlag: FJB
Seiten: 416
ISBN: 978-3841421678
Preis: 19,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 23. Juni 2014
Mehr Meinungen gibt's auf Blogg-dein-Buch



Donnerstag, 31. Juli 2014

Kathy Stinson - "Die Wahrheit über Ivy"























Ivy, Davids jüngere Schwester ist schwer behindert. Trotz ihrer 11 Jahre ist sie nicht in der Lage richtig zu sprechen oder sich selbst fortzubewegen und wird ständig von krampfartigen Anfällen geplagt. Sie ist eine Belastung für die ganze Familie und wird dennoch von allen geliebt. Auch David steckt immer wieder in einem Zwiespalt zwischen der Liebe und Sorge um seine kleinen Schwester und den Momenten des Hasses, weil sie alle Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zieht und David immer nur zurückstecken muss. Eines Tages am See passiert dann ein tragischer Unfall, bei dem Ivy ums Leben kommt. Doch war es wirklich ein Unfall oder steckt viel mehr dahinter?





Wer darf über Leben und Tod entscheiden? Wann ist ein Leben lebenswert und wann nicht? Das sind Fragen, die nur sehr schwer zu beantworten sind und doch traut sich Kathy Stinson in ihrem Roman, genau diese Fragen aufzuwerfen. Sie versucht allerdings gar nicht erst, eine Antwort darauf zu finden, sondern stellt vielmehr ein Gedankenspiel vor, dass vom Leser verlangt, sich mit diesem Thema selbst auseinander zu setzen.

Der Schreibstil ist trotz des anspruchsvollen Themas jugendlich leicht und manchmal sehr direkt. Ein Thema wie dieses braucht auch genau diese Direktheit, denn drumherum geredet wird so schon oft genug. Man bekommt die Gedankenwelt von David vollkommen offen gelegt, mit all ihren Höhen und Tiefen. Dadurch hat man einen ehrlichen, wenngleich vielleicht auch nicht an allen Stellen sympathischen Protagonisten vor sich. Aber wie jeder Mensch - und vor allem jeder Teenager - hat er seine schwachen Momente, die man ihm aber durchaus verzeihen kann, wenn man sein Leben sieht. Gerade seine Trauer um seine Schwester in der zweiten Hälfte des Buches löscht dann aber alle Schwächen wieder aus.

Das Buch ist mit nicht einmal 200 Seiten recht kurz, hat es inhaltlich aber durchaus in sich. Es regt zum Nachdenken über die eingangs genannten Fragen an und beißt sich mit seiner Thematik noch lange in den Gedanken und Erinnerungen fest.


Verlag: cbt
Seiten: 192
ISBN: 978-3570309124
Preis: 7,99 € (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 14. April 2014
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks

Donnerstag, 24. Juli 2014

Kerstin Gier - "Silber: Das erste Buch der Träume"























Neuer Wohnort, neue Schule, neue Freunde - das alles ist nichts ungewöhnliches für Liv Silber, die von ihrer alleinerziehnden Mutter zusammen mit Schwester und Kindermädchen ständig um die halbe Welt gezerrt wird. Ein neuer Vater und zwei neue Geschwister fallen jedoch aus dem Rahmen. Vor vollendete Tatsachen gestellt muss Liv nun also in der neuen Patchwork-Familie mitten in London zurecht kommen und ihr neuer Bruder Grayson scheint ein ziemlicher Geheimniskrämer zu sein. Als sie eines Nachts seinen Pulli trägt, schafft sie es, in ihren und seinen Träumen umher zu wandern und auch Graysons Freunde scheinen Nachts nicht wirklich nur zu schlafen ...





"Silber" ist ein Jugendbuch. Ganz klassisch, ohne eine allzu komplizierte Hintergrundgeschichte, ohne komplizierte Charaktere und ohne dass man sonderlich um die Ecke denken muss. Und wie jedes gute Jugendbuch ist es witzig, ja irgendwie peppig geschrieben und bietet genug zum Knobeln, damit man als Leser immer am Ball bleibt. Und genau dafür - um es dieses Mal vorweg zu nehmen - gibt es von mir auch die volle Punktzahl. Eigentlich könnte die Rezension nun enden, tut sie aber nicht, denn sicher möchte es der eine oder andere noch genauer wissen.

Warum betone ich so, dass es ein klassisches Jugendbuch ist? Weil das heute eigentlich schon nicht mehr die Regel ist. Oft begeistern mich als erwachsener Leser die Jugendbücher von heute mindestens genauso sehr wie die eigentliche Zielgruppe. Nur das man als Erwachsener mit anderen Augen liest und gerade zum Beispiel aus Dystopien ganz andere Schlüsse zieht. Bei "Silber" hingegen gibt es nur eine Ebene. Es wird eine mehr oder weniger einfache Geschichte erzählt. die nicht allzusehr in die Tiefe geht. Liv kann plötzlich in Träumen umher wandern und so richtig erfährt man nicht, warum. Ich glaube als 12-14-Jährige hätte ich das auch gar nicht hinterfragt. Dafür wird die Geschichte aber liebevoll erzählt und schwankt geschickt zwischen dem Abenteuer und den normalen Alltagsproblemen. Der witzige Schreibstil der Autorin trägt dann sein Übriges dazu bei, dass es nie langweilig wird. Und so habe ich das Buch auch so ziemlich in einem Rutsch gelesen und mich einfach von der simplen, aber wunderbar erzählten Geschichte davontragen lassen.

Die Liebesgeschichte, die natürlich ihren Anteil hat, war für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Allerdings war ich froh, dass sie wenigstens nicht so verkitscht war, wie in manch anderen Büchern, da Liv sich auch selbst immer wieder zur Ordnung ruft und zur Not auch noch ihre kleine Schwester Mia hat, die sie auch gerne mal als verliebtes Schaf betitelt. Vielleicht bekommt sie ja in den nächsten Bänden noch ein wenig Tiefe. Auch über diese ganze Traumgeschichte möchte ich natürlich mehr erfahren, denn die Szenen, in denen Liv in ihren eigenen oder anderen Träumen umherwandert, fand ich wirklich schön umschrieben. Ich freue mich auf jeden Fall auf den zweiten Band.



Verlag: FJB
Seiten: 416
ISBN: 978-3841421050
Preis: 18,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 18. Juni 2013
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks

Freitag, 18. Juli 2014

Sally Green - "Half Bad"
























Nathan ist ein Hexer unter vielen und doch nicht so, wie alle anderen. Als Kind einer weißen Hexe und eines schwarzen Hexers lebt er in einer Gesellschaft, die von den weißen Hexen beherrscht wird. Nathan ist ein Außenseiter. Jeder hält ihn für böse und zwar von Grund auf. Alle, außer Annalise aus seiner Klasse. Sein Leben ist geprägt von Hänseleien und Erniedrigungen und er versucht nur irgendwie sein 17. Lebensjahr zu erreichen. Dann bekommt er in einer Schenkungsfeier seine Gabe als Hexer. Doch die Feier rückt in weite Ferne, als der Rat der Hexer ein Gesetz nach dem anderen herausbringt, um Nathan immer mehr zu unterdrücken und in seine Gewalt zu bringen ...





Hexengeschichten mag ich ja generell. Aber nur solche, die es schaffen, realistisch zu wirken (also vielleicht doch nicht so generell?). "Half Bad" ist so eine Geschichte. Als Leser wird man ins geschichtsträchtige England geworfen und die Autorin hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Die Hexerei wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Im ersten Moment fand ich es etwas merkwürdig, dass es keinerlei Erklärung gibt, wo plötzlich die ganzen Hexen herkommen. Aber eigentlich war das auch gar nicht nötig, denn die Geschichte ist aus Nathans Sicht geschrieben und der hatte nun wirklich keinen Grund, irgendwem die Hexerei zu erklären. Alle nötigen Informationen fließen statt dessen in die Geschichte mit ein und was offen bleibt, kann man sich auch gut selbst fertig denken.

Nathan nimmt den Leser bei der Hand und erzählt rückwirkend seine Lebensgeschichte mit all ihren Highlights. Etwa die Hälfte des Buches wird von diesem Handlungsstrang eingenommen und erst dann erfährt man, wie es mit ihm vom der Anfangsszene aus weiter geht. Ich mochte beide Handlungen sehr gerne. Nathans Werdegang ist ... ja was? ... schockierend? emotional? Es ist schwer zu beschreiben, aber auf jeden Fall bietet seine Kindheit und die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde viel Stoff zum Nachdenken. Die Ereignisse reihen sich nahtlos aneinander und ehe man sich versieht steht Nathan schon wieder vor einem neuen Problem.

Trotzdem wirkt die Geschichte nicht überladen, sondern hat auch ihre ruhigen Momente, von denen ich Nathan eigentlich noch viel mehr gegönnt hätte. Ich habe ihn irgendwann wirklich ins Herz geschlossen und mit ihm gelitten. Dadurch, dass man bereits im Prolog erfährt, in welcher Situation sich Nathan aktuell befindet, hat man auch immer die Neugier zu erfahren, wie es denn nun dazu gekommen ist. Und zumindest mir ging es so, dass ich immer wieder andere Personen verdächtigt habe.

Die Frage, die einen das ganze Buch begleitet, ist ob ein Mensch wirklich böse geboren werden kann oder ob er nur durch seine Umwelt dazu gemacht wird? Und wenn dich von Klein auf jeder für böse hält, hast du dann eine andere Wahl als all deine Wut irgendwann in Boshaftigkeit zu lenken? Die Frage ist bis zum Ende des Buches nicht beantwortbar denn Nathan wehrt sich stets gegen seine dunkle Seite. Und ich bin sehr, sehr gespannt auf die nächsten Teile der Reihe, um zu erfahren, welcher Art von Hexerei er sich schließlich zuwenden wird und worin seine Gabe besteht.


Verlag: cbj
Seiten: 432
ISBN: 978-3570158425
Preis: 17,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 31. März 2014
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks



Samstag, 28. Juni 2014

Alexa Hennig von Lange - "Ach wie gut, dass niemand weiß ..."























Sina kommt aus gutem Hause und hat gerade ihre Beziehung zu Jean beendet, als sie auf Noah trifft, der vom anderen Ende der Stadt kommt - dem zwielichtigem Ende. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick, doch es ist auch eine Liebe, die nicht sein darf. Noah wird wegen Mordes gesucht und Sina stellt sich die Frage, ob sie ihm wirklich trauen darf ...



Romeo und Julia in Modern - das wäre dieses Buch gerne. Ist es aber nicht. Wenn überhaupt, dann ist es Julia in Modern. Ein Mädchen aus gutem Hause, dass sich unsterblich in einen Kerl verliebt, der im schlechten Viertel geboren wurde. Das war's dann aber leider auch, denn viel mehr erfährt man über Noah, unseren neuen Romeo, nicht. Und das wiederum liegt vor allem daran, dass er die meiste Zeit einfach nicht anwesend ist. Es ist, als hätte Sina sich in einen Geist verliebt - und zwar unsterblich und Hals über Kopf.

Ich habe das Buch extra zur Hand genommen, als ich richtig Lust auf eine kitschig-romantische Liebesgeschichte hatte - denn nichts anderes habe ich hier erwartet. Leider konnte das Buch nicht einmal dieses Kriterium erfüllen, dass doch eigentlich so leicht zu bedienen ist. Flacher ließ sich die Geschichte allerdings kaum aufbauen. Schon auf den ersten Seiten trifft Sina auf Noah - vor einem Schnellrestaurant. Was für ein Sinnbild, denn ebenso schnell, wie das Essen dort drinnen serviert wird, bekommt man auch die Instant-Liebe der beiden präsentiert: Augenkontakt - knall bumm - Liebe des Lebens, ich kann nicht mehr ohne ihn usw. Er zerrt sie ins Gestrüpp, um sie vor einem Überfall zu retten und dann ist er verschwunden. Erst mitten in der Nacht taucht er plötzlich in ihrem Zimmer auf. Und was? Ja richtig, sie ist nicht etwa irritiert, dass ein Wildfremder mitten in der Nacht vor ihrem Bett steht, sondern plaudert eine Runde mit ihm und himmelt ihn an. Ist klar ...

Danach sehen sie sich noch zwei mal kurz und beschwören, dass sie sich ja so abgöttisch lieben. Dann verschwindet Noah bis zum Ende des Buches. Ja, richtig gelesen, er ist weg und zurück bleibt eine Sina, die sich wieder mit ihrem Exfreund abgibt und ihn einfach nicht los wird, in Selbstmitleid und Unverständnis versinkt und endlose Monologe hält, die in den Worten "kann nicht ..." und "darf nicht ..." zu ertrinken drohen. Herzschmerz erster Klasse, nur den Grund mag man als Leser einfach nicht verstehen.

Und wo ist eigentlich der Bad-Boy, der einem doch irgendwie versprochen wurde. Gut, Noah ist verstrubbelt, trägt ne Lederjacke und fährt Motorrad. Von Außen Bad-Boy, checked. Innendrin ist er aber ein Waschlappen, wie er im Buche steht. Vielleicht wären seine Sprache und sein Handeln für den handelsüblichen Schuljungen gut gewesen (ok, hätte mich wahrscheinlich selbst da noch genervt), aber für den angeblichen Bad-Boy? Nee, das funktioniert nicht mit dem ganzen rumgeschleime.

Was bleibt, ist also keine wirklich dramatische Liebesgeschichte, sondern nur ein Mädchen, dass sich aus unerklärlichen Gründen unsterblich verliebt, total blind ist für die Dinge, die um sie herum geschehen und in endlosen Monologen darüber feststeckt, wie unglaublich kompliziert ihr Leben doch ist. Ich habe nicht viel von diesem Buch erwartet, sondern einfach nur eine schöne Liebesgeschichte. Umso erstaunlicher ist es, dass nicht einmal diese geringen Erwartungen erfüllt wurden. Einzig der flüssige Schreibstil und die Hoffnung, dass jüngere Leser sich nicht so sehr an der fehlenden Logik stören, hat das Buch noch auf die zwei Kronen gerettet.

Verlag: cbt
Seiten: 400
ISBN: 978-3570162842
Preis: 14,99 € (Broschiert)
Erscheinungsdatum: 29. April 2014
Mehr Meinungen gibt's auf LovelyBooks.de