Montag, 28. Mai 2012

Stephan Ludwig - "Zorn - Tod und Regen"

"Zorn - Tod und Regen"
von Stephan Ludwig


Verlag: Fischer
Seiten: 368
ISBN: 3596193052
Preis: 8,99 € (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 25. April 2012









In einem Satz:
Ein Krimi, der so durch seine überzeugenden Hauptcharaktere und den spritzigen Erzählstil überzeugt, dass man auch ohne die spannende Handlung immer weiterlesen würde.

Inhalt:
In einem eigentlich ruhigen Ort wird eine Frau grausam gequält und ermordet. Ein solch ungewöhnlicher Fall sorgt natürlich für viel Aufsehen und ruft auch den örtlichen Hauptkommissar Claudius Zorn auf den Plan, der mit seinem Kollegen Schröder vorerst völlig planlos an den Fall herangeht. Die Kollegen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, versuchen dennoch ihr Möglichstes und rutschen so von einer unangenehmen Situation in die nächste. Und schon bald taucht die nächste Leiche auf ...

Meine Meinung:
Ein Krimi hält sich in der Regel immer an das gleiche Schema: Mord passiert, Ermittler nehmen die Spur auf, nächster Mord passiert, Ermittler finden verschiedene Verdächtige, ein paar falsche Spuren werden gelegt und am Ende der große Showdown. Ist es hier anders? Nein, nicht wirklich. Auch Stephan Ludwig hält sich an das bewährte Prinzip, wie sollte er auch das Rad völlig neu erfinden?! Dennoch unterscheidet sich "Zorn - Tod und Regen" von vielen anderen, oft doch ziemlich trägen Krimis enorm, denn bei diesem wurde mir ausnahmsweise einmal nicht zwischendurch langweilig.

Was als Erstes und auch durchweg am meisten hervorsticht, sind die gut durchdachten Charaktere. Hauptkommissar Zorn ist ein äußerst mürrischer und sarkastischer Zeitgenosse, der mich ein wenig an Dr. House aus der gleichnamigen Serie erinnerte. Allerdings ist er zusätzlich auch noch äußerst Träge, eine Eigenschaft, die man in einer Mordermittlung eigentlich so gar nicht gebrauchen kann. Er scheint mehr Ecken und Kanten zu haben als gute Seiten, aber genau das macht ihn auch so interessant. Um die allgemeine Stimmung etwas abzumildern, wurde ihm der dicke, gutmütige und immer fröhliche Schröder zur Seite gestellt, der auf den ersten Blick einfach nur unscheinbar und hilflos wirkt. Im Laufe der Geschichte zeigen sich jedoch immer wieder neue Seiten an ihm und er ist immer wieder für eine Überraschung gut. Die beiden Ermittler wirken wie Tag und Nacht, ergänzen sich aber hervorragend und es ist einfach ein Erlebnis, den beiden zu folgen.

Der zweite wichtige Punkt ist für mich immer der Schreib- oder Erzählstil. Stephan Ludwig bescheinige ich da jetzt einfach mal Talent, denn selten wurde ich in einem Krimi so gut unterhalten. Er betet nicht einfach platt und möglichst effekthascherisch die Kriminalgeschichte herunter, sonder webt immer wieder kleine Anekdoten mit ein und lässt die Protagonisten in kleinen Nebenhandlungen andere Seiten von sich zeigen, die einen auch immer wieder überraschen oder schmunzeln lassen. Und warum sollte man bei einem Krimi nicht auch mal laut auflachen dürfen. Vor meinem inneren Auge lief während des Lesens ein regelrechter Film ab und das spricht immer für einen sehr lebhaften Schreibstil.

Ich kann "Zorn - Tod und Regen" jedem weiterempfehlen, auch denen, die sonst nicht so ganz die Krimileser sind. Mich hat das Buch - und vor allem auch der Autor - voll und ganz überzeugt und ich freue mich schon darauf, Zorn und Schröder im nächsten Teil wieder zu treffen.






Keine Kommentare:

Kommentar posten