Mittwoch, 24. Juli 2013

Wendy Wunder - "Flamingos im Schnee"


























Campbell ist mit der Schule fertig und auch mit dem Leben. Der Krebs, gegen den sie seit Jahren kämpft, hat gewonnen und Campell akzeptiert still, dass der Tod unausweichlich bevorsteht. Ihre Mutter ist jedoch anderer Meinung. Sie will die Hoffnung nicht aufgeben und schleppt Campbell zusammen mit ihrer kleinen Schwester Perry vom sonnigen Florida in das Küstenstädtchen Promise in Maine. Angeblich sollen hier immer wieder Wunder geschehen und so hofft auch Campells Mutter auf das Wunder, dass ihre Tochter überlebt. Mit im Gepäck ist die "Flamingoliste" - eine Liste aller Dinge, die Campell noch erledigen möchte, bevor sie diese Welt verlässt ...







Mit dem Thema Krebs beschäftigen sich zurzeit nicht gerade wenige (Jugend-) Bücher. Natürlich will niemand die Protagonisten einfach dahinsiechen sehen, weswegen man auch hier einer starken, selbstbewussten und vor allem quicklebendigen Protagonistin gegenübersteht. Campell ist allerdings vielschichtig genug, um sich nicht einfach alles schönzureden, sondern sie schwankt immer wieder von einem Extrem ins andere. Zwar hat sie jegliche Hoffnung längst aufgegeben, doch im Laufe der Geschichte lernt sie, dass ihre eigene Hoffnung nicht das Einzige ist, was zählt.

Auch wenn Campbell eigentlich ein gut gezeichneter Charakter ist, hatte ich doch so einige Startschwierigkeiten mit der Geschichte. Einzelne Episoden werden wild aneinandergereiht und ständig werden neue Personen eingeführt und auch bald wieder fallen gelassen, sodass ich mich immer wieder neu orientieren musste und mich nicht wirklich in die Geschichte einfühlen konnte. Alles beginnt in Florida, in Disneyland, um genau zu sein. Hier lebt Campbell mit ihrer Patchwork-Familie. Man lernt viele Personen kennen und versucht sich alle zu merken, weil sie ja noch wichtig sein könnten, doch schon bald geht die Reise Richtung Norden los und unterwegs trifft man wieder neue Personen. Erst ab der Ankunft in Promise (ja, auch hier kommen natürlich neue Personen hinzu) wurde es etwas ruhiger und ich begann mich in der Geschichte wohlzufühlen. 

Für eine Geschichte, deren Protagonistin Krebs im Endstadium hat, ging es mir allerdings deutlich zu "gesund" zu. Campbell schluckt ab und zu mal eine Pille oder entdeckt neue Verfärbungen der Haut, das ist aber auch schon fast alles. Sie scheint keinerlei Probleme mit ihrem Immunsystem zu haben und auch sonst körperlich kaum eingeschränkt zu sein. Ich würde es jedem gönnen, dass diese Krankheit so verliefe, wie es Campbell erlebt, aber die Wirklichkeit sieht wohl anders aus. Wenn Sie nicht selbst immer wieder erwähnen würde, dass ihr Ende bevorsteht, könnte man sie fast für einen normalen Teenager halten. 

Gleichzeitig liegt hierin aber auch eine Stärke der Geschichte. Campell wird eben nicht die ganze Zeit nur von allen traurig angeguckt, sondern lebt einfach ihr Leben weiter und versucht irgendwie noch ein wenig aus den restlichen Wochen herauszuholen. Ihre "Flamingoliste" hilft ihr dabei und es ist interessant, wie sie sich fast von alleine erfüllt, ohne dass viel Theater darum gemacht wird. 

Was ich richtig toll fand, war die Situationskomik, die immer wieder mit ins Spiel gebracht wurde. Sie verhinderte, dass man zu sehr in Trauer versank, und half dabei, mit Campell zusammen einfach den Moment zu genießen. Und das ist es wohl auch, was dieses Buch uns Lesern mitteilen soll: Genieße den Moment und finde deine eigenen Wunder, denn oft sind sie im Alltäglichen zu finden.



Verlag: Goldmann
Seiten: 352
ISBN: 978-3442313235
Preis: 17,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 11. März 2013





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