Sonntag, 11. November 2012

Ellen Alpsten - "Halva, meine Süße"

"Halva, meine Süße"
von Ellen Alpsten


Verlag: Coppenrath
Seiten: 367
ISBN: 978-3649605980
Preis: 16,95 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 15. August 2012


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In einem Satz:
Eine Liebesgeschichte, süß wie orientalische Zuckerware, aber auch mit den tiefen Abgründen einer Kultur, in der die Ehre mehr Wert ist als das Glück eines einzelnen Menschen.

Inhalt:
Halva war acht Jahre alt, als sie sich von ihrem Heimatland verabschieden musste. Mit ihrer Familie flüchtete sie aus dem Iran nach Deutschland, im Gepäck nur ihre Erinnerungen und das Rezept für die Süßigkeit, nach der sie benannt wurde.
Zehn Jahre später, sie und ihre Familie haben sich gut in Deutschland eingelebt und ein eigenes Café eröffnet, trifft sie auf Kai, der gerade mit ihrem Bruder zusammen das Jurastudium aufgenommen hat. Die beiden sind von Anfang an fasziniert voneinander und verlieben sich, doch bald stellt sich heraus, das Halvas Eltern andere Pläne für sie haben und Kai nicht Teil davon ist ...


Meine Meinung:
Halva ist eine Süßigkeit aus dem Iran, eine klebrig-süße Zucker-Eiweißmasse, die man ganz unterschiedlich belegen kann. Hier ist sie nicht nur der Name der Protagonistin, sondern auch Programm, denn besonders in der ersten Hälfte wird eine zuckersüße Liebesgeschichte geschrieben. Halva und Kai begegnen sich und sind einander sofort verfallen. Immer wieder wird erwähnt, wie sehr sie sich zueinander hingezogen fühlen und dass sie ohne einander nicht mehr leben können. Ok, man hört sicher schon raus, dass ich kein allzu großer Fan solch ewiger Liebesbekundungen bin, aber es ist nunmal ein Liebesroman und da muss man damit rechnen und es gehört auch einfach dazu.

Als ich schon dachte, dass es wohl ewig so weiter geht, steigt der Spannungsbogen jedoch schlagartig an, als Halva merkt, dass Kai in ihrem Leben nicht vorgesehen ist. Sie ist einem jungen Iraner versprochen und ihre Liebe zu Kai ist ihr von da an verboten. Halvas Eltern wurden bis zu dieser Stelle als sehr weltoffen und modern präsentiert, weshalb mich dieses plötzliche konservative Verhalten etwas verwirrte. Im Nachhinein ist es aber vielleicht auch einfach eine jugendlich naive Sicht von Halva gewesen. In ihren Augen waren ihre Eltern modern, aber wie es wirklich in ihnen drin aussieht, wie tief ihre Wurzeln noch in den Iran reichen, erfährt sie durch diesen plötzlichen Schicksalsschlag. Die Geschichte schaukelt sich regelrecht hoch, und während die erste Hälfte des Buches eher dahinplänkelte, konnte ich es in der zweiten Hälfte kaum mehr aus den Händen legen.
Das Ende war überraschend und wenig versöhnlich, aber gleichzeitig war es auch ein gutes Ende, abseits der üblichen Friede-Freude-Eierkuchen-Enden. Vielleicht ist eine Fortsetzung geplant? Interessieren würde sie mich jedenfalls.

Die Zubereitung der Halva, also der Süßware, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. In ihr stecken die Gefühle der Protagonistin und immer wenn Halva die Süßigkeit zubereitet, versinkt sie in ihrer eigenen Gefühlswelt und versteckt ihre eigenen kleinen Botschaften im Belag: Süße Erdbeeren bei guter Stimmung, bittere Orange, wenn sie traurig ist. Und unweigerlich bekommt man als Leser Lust auf dieses iranische Spezialität.

"Halva, meine Süße" ist ein Buch für alle, die gerne Liebesgeschichten lesen, aber auch für diejenigen, die sich gerne mit anderen Kulturen beschäftigen. Zwar kratzen die Beschreibungen der iranischen Kultur eher an der Oberfläche, statt wirklich tiefer zu gehen, aber für ein Jugendbuch ist es wohl genau das richtige Maß. Es wird genug erzählt um die Geschichte zu verstehen und hier und da ein Denkanstoß gegeben. Ich denke das genügt für eine Liebesgeschichte und das Verständnis von Halvas Schicksal - ein Schicksal, das wohl jeden Leser berühren wird.



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