Mittwoch, 10. Oktober 2012

Nina Blazon - "Wolfszeit"

"Wolfszeit"
von Nina Blazon


Verlag: Ravensburger
Seiten: 576
ISBN: 978-3473400706
Preis: 17,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 1. Februar 2012









In einem Satz:
Eine Geschichte zum abtauchen, miträtseln und mitfühlen.


Inhalt:
Frankreich im 18. Jahrhundert. Eine Bestie macht die Provinz in der Auvergne unsicher, tötet vor allem junge Mädchen und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Niemand weiß, wie genau die Bestie aussieht, aber jeder macht sich anhand der verstümmelten Toten seine eigenen schrecklichen Bilder. Der König in Versailles muss reagieren und schickt eine Delegation von Jägern in die Provinz, unter ihnen auch der junge Naturwissenschaftler Thomas, der die Bestie studieren will. Doch auch für die königlichen Jäger ist es nicht leicht, die Ursache der Morde zu finden und so verbringt Thomas viel Zeit in der Auvergne, findet neue Freunde und lernt Isabelle kennen, die Grafentochter, die einen Angriff der Bestie überlebt hat, sich aber an nichts mehr erinnern kann. Stück für Stück macht sich Thomas jedoch ein Bild von der Lage und begreift bald, was alle anderen noch verdrängen wollen ...


Meine Meinung:
Mit historischen Romanen habe ich meist so meine Schwierigkeiten. Ich habe immer die Befürchtung, dass es in rüschigen Romantikkitsch abgleitet, was nicht so wirklich mein Lesetraum ist. Bei Nina Blazon machte ich mir da weniger sorgen und "Wolfszeit" hat mich gelockt, seit ich es das erste Mal als Vorschau gesehen habe - und ich wurde nicht enttäuscht.

Die Geschichte beginnt direkt mit einem Mord der Bestie, was gleich für die richtige Atmosphäre sorgt. Sofort wird dem Leser klar, dass hier keine Romantik im Vordergrund steht, sondern eher eine Kriminalgeschichte (aber keine Sorge, eine Liebesgeschichte gibt es auch).  Die Suche nach der Bestie zieht sich dann allerdings ziemlich lange hin und man hat viel Zeit, Thomas und die anderen Protagonisten kennenzulernen, was ich sehr angenehm fand. "Wolfszeit" ist eine Geschichte zum abtauchen, miträtseln und mitfühlen. Man steht beim Lesen weder ständig unter Spannung, noch wird man dauernd zu Tränen gerührt. Dafür sind die Personen aber so lebensnah beschrieben, dass man sie schnell vor Augen hat und manch einem gerne persönlich die Hand schütteln möchte.

Vor allem Thomas hat mich tief beeindruckt, denn er macht eine starke Entwicklung durch. Ist er anfangs noch der kuschende und doch recht wenig aufmuckende Sohn aus gutem Hause, pfeift er am Ende auf jegliche Konventionen und geht seinen eigenen Weg - und das über alle Steine hinweg, die ihm im Weg liegen. Man möchte ihm am liebsten für seinen Mut auf die Schulter klopfen.
 
Auch der zeitliche Sprung ist gut gelungen. Sowohl von den Beschreibungen als auch vom Sprachstil wurde ich ohne Probleme ins 18. Jahrhundert katapultiert. Man spricht nicht nur über diese Zeit, sondern ich war mittendrin. So soll es sein! 

Lange wird man im Dunkeln gelassen, was es nun eigentlich wirklich mit der Bestie auf sich hat. Es werden Krümel ausgestreut, die einen das eine oder andere ahnen lassen, aber man kann sich nie sicher sein - und sollte es auch nicht. Die falschen Fährten wurden von Nina Blazon meisterhaft gelegt, sodass man das Ende nicht schon meilenweit vorausahnt. Die Spannung bleibt so durchweg erhalten und man kann bis zum Ende mitfiebern und miträtseln.

Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, mich in eine fremde Zeit ziehen lassen, der Entwicklung eines jungen Protagonisten zugesehen, einen kriminalistischen Fall mit aufgedeckt und am Ende auch noch eine kleine, aber (fast) kitschfreie Liebesgeschichte verfolgt. Was will das Leserherz mehr?!



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