Dienstag, 11. März 2014

Aude le Corff - "Bäume reisen nachts"

























Seit ihre Mutter die Familie verlassen hat, zieht sich Manon immer mehr in sich zurück und verbringt Stunden damit, lesend unter einer Birke im Hinterhof zu sitzen. Als der alte Nachbar Anatole beginnt, ihr den kleinen Prinzen vorzulesen, öffnet sie sich ihm langsam und bald beschließen sie, zusammen mit ihrem Vater Pierre und ihrer Tante Sophie, nach ihrer Mutter zu suchen. Und so machen sie sich zu viert auf die lange Fahrt von Frankreich nach Marokko ...







"Bäume reisen nachts" versprach ein Buch zu werden, dass viel Tiefe hat und vom Umgang der Menschen miteinander handelt. Letzteres tut es durchaus und die Ansätze des Miteinanders von Manon, Anatole, Pierre und Sophie waren durchaus schön umschrieben. Leider fehlt in der Gesamtheit aber die Tiefe, die eine Geschichte dieser Art braucht. Vielleicht verlange ich auch zu viel von einem Buch, dass gerade einmal 200 Seiten hat, denn eine Geschichte dieser Art ist wie ein guter Wein und braucht viel Luft und Raum zum atmen und um sich zu entfalten. 

Ich habe die einzelnen Personen sehr gemocht. Die kleine Manon wächst einem schon nach wenigen Sätzen ans Herz und Anatole, der klassisch grummelige Alte mit einem guten Herz ebenso. Die Konstellation ist nicht neu, aber ich mag sie doch immer wieder gerne lesen. Auch Manons Vater und Tante fand ich gut wiedergegeben, vor allem da es mir einfach unmöglich war, ihren Vater zu verstehen - und gerade dadurch wirkt er wie aus dem wahren Leben gegriffen. 

Im Laufe der Geschichte verläuft sich die Handlung aber immer mehr in Merkwürdigkeiten, die aus dem Nichts herausschießen oder sich erst durch sehr viel eigene Fantasie eventuell erklären lassen. Dennoch (oder vielleicht auch gerade deswegen) war ich gespannt auf das Ende und neugierig, wie sich wohl alles auflöst. Doch auch wenn ich mich bis dahin ganz gut unterhalten fühlte, enttäuschte mich das Ende maßlos. Ich habe selten so ein schlechtes Ende gelesen, das sich einfach nur falsch und wild zusammengeschustert anfühlte. Und so war ich am Anfang des Buches noch ganz begeistert und fand den Schreibstil großartig, musste meine Bewertung aber im Laufe der Geschichte immer weiter nach unten korrigieren, bis das dicke Ende kam und ich irgendwie trotz anfänglicher Begeisterung unbefriedigt und enttäuscht zurückblieb.


Verlag: Insel
Seiten: 201
ISBN: 978-3458360193
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 9. März 2014
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