Dienstag, 27. März 2012

Cornelia Travnicek - "Chucks"

"Chucks"
von Cornelia Travnicek


Verlag: DVA
Seiten: 192
ISBN: 3421045267
Preis: 14,99 € (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 5. März 2012










In einem Satz:
Berührender Inhalt, der in faszinierende Worte und Zusammenhänge gebracht wurde. 

Inhalt (Klappentext):
Mae ist anfang Zwanzig und zog noch vor Kurzem als Punk durch die Straßen Wiens, lebte von Dosenbier und den Gesprächen mit ihrer Freundin Tamara über Quanten und Strings, Quarks und Spins. Im Aids-Hilfe-Haus, wo sie eine Strafe wegen Körperverletzung abarbeiten muss, lernt sie den HIV-positiven Paul kennen, verliebt sich in ihn und macht Schluss mit Jakob, der eh nur Luftschlösser baut.
Mit Paul ist das Leben jeden Tag neu, weil jeder Tag der letzte sein kann. Als bei ihm die Krankheit ausbricht, beginnt Mae seine Haare und Fußnägel wie Devotionalien zu sammeln, zuletzt fängt sie die Luft in seinem Krankenzimmer in einem Tupperdöschen ein. Sie weiß genau, wie man gegen das Vergessen ankämpft: Von ihrem älteren Bruder sind ihr nur ein Paar nagelneue rote Chucks geblieben, die sie Tag für Tag trägt. 

Meine Meinung:
Mein Start mit diesem außergewöhnlichen Buch war etwas holprig, da ich dachte, ich könnte die knapp 200 Seiten mal eben nebenbei weglesen. Was ich dabei nicht auf dem Plan hatte, war das Labyrinth, durch das der Leser geführt wird und die würdevolle Ausdrucksweise der Autorin. Ich legte es also nochmal zur Seite und begann es erneut, als ich etwas mehr Ruhe hatte und mich voll und ganz auf die Geschichte einlassen konnte.

Mit der richtigen Einstellung zeigte sich dann, dass die Geschichte gar nicht so vertrackt ist, wie ich anfangs dachte, aber man muss als Leser doch ganz bei der Sache sein, um nicht den Überblick zu verlieren. Cornelia Travnicek erzählt keine geradlinige Geschichte, sonder springt immer wieder zwischen einzelnen Szenen und Zeiten, je nachdem welcher Abschnitt aus Maes Leben gerade wichtig ist, um sie zu verstehen. Nicht immer ist dabei sofort klar, warum jetzt genau dieser Ausschnitt gewählt wurde - und oft wird es das nie. Am Ende hat man aber einen Eindruck davon, warum Mae ist, wie sie ist und kann ihr Handeln zumindest teilweise nachvollziehen.

Das Buch lebt für mich eigentlich weniger von der Geschichte, die erzählt wird, sondern vielmehr vom Schreibstil und den vielen kleinen Weisheiten, die immer wieder mit eingeflochten werden. Es sind einzelne Augenblicke oder Gedanken, die einen das Buch kurz zur Seite legen und nachdenken lassen. Mae bleibt für mich bis zum Ende unnahbar und so manche Fragen, die sich stellen, werden auch am Ende nicht aufgelöst. Als Leser steht man vor einer Art Grundgerüst, dessen Lücken man am Ende durch die eigene Fantasie oder Lebenserfahrung füllen kann oder muss. Zum einen ist das sicher gut, da man so auch mal zum Mitdenken angeregt wird, es ist aber auch etwas frustrieren, so allein gelassen zu werden.

Ich habe diesmal bewusst den Klappentext übernommen, statt eine eigene Inhaltsangabe zu schreiben. Dazu wäre ich gar nicht fähig gewesen, da viel zu viele Handlungen und Zeiten durcheinander beschrieben werden, sodass ich manche Ereignisse bis jetzt noch immer nicht in die richtige Verbindung gebracht habe. Für mich war die Lektüre eine Aneinanderreihung kleiner Kurzgeschichten, die jede einzelne für sich wunderbar geschrieben sind und auch irgendwann einigermaßen ein Gesamtbild ergeben, aber eben doch zu viel offen lassen.

Die Poetik dieses Buches ist es aber auf jeden Fall wert, gelesen zu werden. Nur eine durchgehende, geradlinig erzählte Geschichte sollte man nicht unbedingt erwarten. Wer aber bereit ist, sich einmal auf etwas Anderes einzulassen, wird von diesem Debüt sicher positiv überrascht werden.


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