Montag, 17. September 2012

Patrice Leconte - "Heute wegen Glück geschlossen"

"Heute wegen Glück geschlossen"
von Patrice Leconte


Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 208
ISBN: 3431038468
Preis: 10,00 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 3. Mai 2012









In einem Satz: 
Eine liebenswerte kleine Geschichte aber leider mit einem immer unsympathischer werdenden Protagonisten.

Inhalt: 
Thomas ist 27 Jahre alt, lebt in Paris, arbeitet in einer Papeterie und ist auf der Suche nach der Frau fürs Leben. Es soll aber nicht einfach irgendeine sein, nein, Thomas hat ganz genaue Vorstellungen: Sie muss kurze Haare haben, da führt kein Weg dran vorbei. Und Kaugummi darf sie auch nicht kauen. Und mit den Armen sollte sie beim Gehen nicht zu sehr schlenkern. Ja, Thomas hat es schon nicht leicht bei der Suche nach seiner Traumfrau und dann liegt ihm auch noch ständig seine Mutter in den Ohren, dass sie seine Frau vor ihrem eigenen Tod auch gerne noch kennenlernen möchte - und der steht nach eigenen Aussagen schon seit Jahren immer kurz bevor.

Meine Meinung:
Ein kleines, feines Büchlein - das ist es, was man als Erstes denkt, wenn man "Heute wegen Glück geschlossen" in der Hand hält. Es hat ein kompaktes Format und ist so wunderschön gestaltet, dass es schon Freude bereitet, es einfach in der Hand zu halten und man ist eigentlich schon davon begeistert, ohne dass man auch nur einen Satz gelesen hat.

Die Geschichte startet dann auch ohne große Umschweife (die sie sich bei 200 Seiten Länge eh nicht erlauben dürfte) und mit einem wunderschönen, typisch französischen Schreibstil. Thomas' Geschichte und seine Weltanschauung werden mit viel Gefühl erzählt, ohne dabei direkt kitschig zu werden. Mit seiner Sicht auf die Dinge ist er recht wunderlich, aber anfangs doch irgendwie liebenswert und man sieht ihm gerne dabei zu, wie er sich in seine Vorstellungen verrennt. Gleichzeitig hat man aber auch das Gefühl, schon zu ahnen, wo die Geschichte hinläuft. Ist es in solchen Büchern nicht immer so, dass der Protagonist am Ende all seine Vorstellungen über den Haufen werfen muss, weil er der wahren Liebe dann doch auf anderem Wege begegnet?! Hier kann ich aber sagen, dass sich der Autor da nicht so an diesen Mainstream hält, verrate aber nicht, warum. Wird Thomas doch seine kurzhaarige Liebe finden? Wird er alleine bleiben? Wird er schwul? Stirbt jemand? Findet es selbst heraus! ;-)

Was am Anfang so schön poetisch und dennoch stellenweise lustig war, wurde aber im Verlauf der Geschichte etwas merkwürdig. Die Sprache flacht etwas ab, was aber auch gut an der Übersetzung liegen kann. Zum französischen Stil passt es einfach nicht, wenn der Protagonist plötzlich seine "Klamotten" über den Stuhl legt (um nur ein Sprachbeispiel zu nennen). An anderen Stellen hingegen war es wieder sprachlich formvollendet, was wiederum die paar Ausrutscher, über die wahrscheinlich auch nicht jeder stolpert, verzeihen lässt.

Ich fand es auch merkwürdig, dass Thomas sich irgendwann munter durch alle Betten schlief. Das machte ihn so furchtbar egoistisch und immer unsympathischer. Was anfangs noch liebenswert schrullig rüberkam, wurde irgendwann sehr nervig. Ich mochte einfach nicht die Art, wie er über Frauen dachte und wie er mit ihnen umging. Für mich machte das die ganze Geschichte zunichte. In anderen Romanarten passt so ein Verhalten und dann kann ich auch mit unsympathischen Protagonisten umgehen, aber hier, wo es eigentlich darum geht, mit Thomas mitzufiebern und ihm die Traumfrau zu wünschen, war es fehl am Platz. Gegen Ende war ich schon so weit, ihm zu wünschen, dass er mit all seinen Vorstellungen und Handlungen für immer alleine bleibt.

Mal abgesehen von meinen Problemen mit Thomas' Charakter, liest sich das Buch ziemlich gut und schön an einem Abend. Es ist das perfekte Buch für zwischendurch. Man kann sich zurücklehnen und berieseln lassen. Nur mit dem erwarteten Träumen war es nicht ganz so weit her und das Ende fand ich dann auch ein wenig enttäuschen und zu schnell abgehandelt.





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