Dienstag, 15. Oktober 2013

Stefanie de Velasco - "Tigermilch"

























Zwei Berliner Mädchen, gerade einmal 14 Jahre jung, testen aus, wie das Leben funktioniert, und überschreiten dabei so manche Grenze. Sie wollen Leben und vor allem etwas Erleben. Sie wollen ihre Jungfräulichkeit noch diesen Sommer verlieren und sie testen alle Grenzen aus. Sie mixen Maracujasaft, Milch und eine gehörige Portion Mariacron zu ihrer eigens erfundenen "Tigermilch" zusammen und lassen ihr Leben im Halbrausch vorbeibrausen. Vielleicht ist es ja nur so erträglich?






Mein erster Gedanke nach diesem Buch war "Uff ...". Hier wird nichts verherrlicht und nichts kaschiert. Die Ereignisse und Beschreibungen stürmen auf den Leser ungefiltert ein, eben so, wie sie die Protagonisten erleben. Da wird gesoffen, geraucht, auf den Strich gegangen ... und ja, die Protagonisten sind erst vierzehn! Daher fand ich das Buch zum Großteil schockierend, teilweise interessant und manchmal auch abschreckend. Und auch wenn ich den Schreibstil recht gewöhnungsbedürftig fand, würde ich das Buch dennoch weiterempfehlen.

Der Einstieg fiel mir gerade wegen des Schreibstils recht schwer. Die Autorin macht genau das, was ich in Büchern gar nicht leiden kann: Sie verzichtet auf eine Kennzeichnung der wörtlichen Rede. Ich werde wohl nie begreifen, wozu dieses "Stilmittel" gut sein soll. Ich für meinen Teil finde es einfach nur äußerst nervig, wenn ich alles mit dreifacher Aufmerksamkeit lesen muss, um bei einem längeren Gespräch den Durchblick zu behalten, wer denn nun spricht, statt mich einfach auf den Inhalt einlassen zu können. Auch Satzbau und Erzählweise sind anfangs etwas seltsam, wenn man aber weiter liest, merkt man, dass es zum Buch und vor allem zur Protagonistin passt. 

Inhaltlich empfand ich "Tigermilch" als schwere Kost. Nini, gerade einmal 14 Jahre alt, und ihre beste Freundin Jameelah besaufen sich ständig mit ihrer Tigermilch, stehlen, rauchen und gehen sogar auf den Strich - nur so zum Spaß und um schonmal zu üben! Gerade Letzteres empfand ich als äußerst merkwürdig, da auch an keiner Stelle wirklich erklärt wird, was sie dazu treibt. Ich meine, üben kann man doch auch an ... ehm ... Gleichaltrigen? Muss man sich dafür an der Kurfürsten prostituieren? Ok, die beiden Mädchen haben ihre eigene Sicht der Dinge und sind meist eh nicht nüchtern, aber ein bisschen Stolz sollte doch jedes Mädchen haben!

Auch scheint nichts von dem, was die beiden tun, Konsequenzen zu haben und die Familienverhältnisse werden vor allem bei Nini eher sporadisch beschrieben und man muss sich als Leser vieles hinzudichten. Das fand ich etwas schade. Man erfährt leider nicht, woher diese selbstzerstörerische Ader kommt und das Bedürfnis, jemandem dafür die Schuld in die Schuhe schieben zu können, bleibt unbefriedigt. Vieles muss man zwischen den Zeilen lesen und dann fällt auch auf, wie verletzlich die Mädchen doch trotz allem sind. Aber ein paar deutlichere Einblicke in die Hintergründe wären wünschenswert gewesen.



Verlag: KiWi
Seiten: 288
ISBN: 978-3462045734
Preis: 16,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 15. August 2013

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