Mittwoch, 23. Januar 2013

Khaled Hosseini - "Drachenläufer"











Amir wächst im friedlichen Afghanistan der 70er Jahre auf. Sein gleichaltriger Dienstbote Hassan ist gleichzeitig sein bester Freund und seine Kindheit verbringt er überwiegend glücklich zwischen blühenden Granatapfelbäumen und traditionellen Drachenkämpfen. Doch gerade bei einem dieser Drachenkämpfe ereignet sich etwas, dass Amirs Freundschaft zu Hassan für immer verändert.
Viele Jahre später ist Amir mit seinem Vater nach Amerika geflüchtet und hat dort eine Frau gefunden, als ein Anruf aus Afghanistan ihn an eine alte Schuld erinnert ...







Wenn man Afghanistan hört, dann denkt man in der heutigen Zeit eigentlich immer nur an Taliban, Waffen, zerbombte Häuser und unterdrückte Frauen in Burkas. Dass es in dem Land nicht immer so aussah, macht man sich eher selten bewusst und in meinem Fall brauchte ich erst Herrn Hosseini, der mir das alte Afghanistan zeigt.

Khaled Hosseini erfindet die Geschichte des Landes natürlich nicht neu, aber er führt den Leser zumindest anfangs in ein glücklicheres, friedlicheres Afghanistan. Amirs Sicht ist die eines Jungen, der als Sohn eines reichen Afghanen aufwächst und so ist die Sicht, die man als Leser hat, natürlich auch besonders schön. Hätte Kahled Hosseini einen bettelarmen Jungen Protagonisten gewählt, so hätte das alte Afghanistan sicher nicht ganz so strahlend gewirkt. Hier zeigt sich aber auch gleich eine Stärke des Autors, denn er kreierte mit Hassan, Amirs Dienstboten und bestem Freund, geschickt einen Gegenpol, der auch die Missstände der damaligen Zeit aufzeigt.

Ich habe selten die Sicht eines Protagonisten gelesen, der so oft falsch gehandelt hat. Amir ist alles andere als ein Held, man könnte ihn wohl sogar eher als Antihelden bezeichnen, denn er ist feige bis auf die Knochen und tut immer wieder Dinge, die man nicht nachvollziehen kann. Da Amir aber aus heutiger Sicht über seine Kindheit erzählt, erfährt man auch immer, wie schlecht er sich heute fühlt, wenn er an seine Taten denkt. Man kann als Leser einfach nicht anders, als Mitleid mit ihm zu haben.

Später im Buch kehrt Amir in das, von den Taliban besetzte Afghanistan zurück und in dem Teil hat sich mir partiell wirklich der Magen verknotet. Es macht eben immer einen Unterschied, über rein erfundene Dinge zu lesen, oder über etwas, das genau so zu diesem Zeitpunkt stattgefunden haben könnte.

Khaled Hosseinis Schreibstil ist durchweg fesselnd und mitreißend. Politische Erklärungen, die in einem solchen Roman nunmal notwendig sind, hat er auf ein absolutes Minimum reduziert, sodass der Lesefluss an keiner Stelle durch ewig lange Erklärungen gestoppt wird. Man wird sehr schnell in die Geschichte Afghanistans hineingezogen und will einfach immer mehr und mehr erfahren.


Verlag: Berlin Verlag
Seiten: 384
ISBN: 978-3833301490
Preis: 10,99 € (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 1. November 2004


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