Samstag, 28. Juni 2014

Alexa Hennig von Lange - "Ach wie gut, dass niemand weiß ..."























Sina kommt aus gutem Hause und hat gerade ihre Beziehung zu Jean beendet, als sie auf Noah trifft, der vom anderen Ende der Stadt kommt - dem zwielichtigem Ende. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick, doch es ist auch eine Liebe, die nicht sein darf. Noah wird wegen Mordes gesucht und Sina stellt sich die Frage, ob sie ihm wirklich trauen darf ...



Romeo und Julia in Modern - das wäre dieses Buch gerne. Ist es aber nicht. Wenn überhaupt, dann ist es Julia in Modern. Ein Mädchen aus gutem Hause, dass sich unsterblich in einen Kerl verliebt, der im schlechten Viertel geboren wurde. Das war's dann aber leider auch, denn viel mehr erfährt man über Noah, unseren neuen Romeo, nicht. Und das wiederum liegt vor allem daran, dass er die meiste Zeit einfach nicht anwesend ist. Es ist, als hätte Sina sich in einen Geist verliebt - und zwar unsterblich und Hals über Kopf.

Ich habe das Buch extra zur Hand genommen, als ich richtig Lust auf eine kitschig-romantische Liebesgeschichte hatte - denn nichts anderes habe ich hier erwartet. Leider konnte das Buch nicht einmal dieses Kriterium erfüllen, dass doch eigentlich so leicht zu bedienen ist. Flacher ließ sich die Geschichte allerdings kaum aufbauen. Schon auf den ersten Seiten trifft Sina auf Noah - vor einem Schnellrestaurant. Was für ein Sinnbild, denn ebenso schnell, wie das Essen dort drinnen serviert wird, bekommt man auch die Instant-Liebe der beiden präsentiert: Augenkontakt - knall bumm - Liebe des Lebens, ich kann nicht mehr ohne ihn usw. Er zerrt sie ins Gestrüpp, um sie vor einem Überfall zu retten und dann ist er verschwunden. Erst mitten in der Nacht taucht er plötzlich in ihrem Zimmer auf. Und was? Ja richtig, sie ist nicht etwa irritiert, dass ein Wildfremder mitten in der Nacht vor ihrem Bett steht, sondern plaudert eine Runde mit ihm und himmelt ihn an. Ist klar ...

Danach sehen sie sich noch zwei mal kurz und beschwören, dass sie sich ja so abgöttisch lieben. Dann verschwindet Noah bis zum Ende des Buches. Ja, richtig gelesen, er ist weg und zurück bleibt eine Sina, die sich wieder mit ihrem Exfreund abgibt und ihn einfach nicht los wird, in Selbstmitleid und Unverständnis versinkt und endlose Monologe hält, die in den Worten "kann nicht ..." und "darf nicht ..." zu ertrinken drohen. Herzschmerz erster Klasse, nur den Grund mag man als Leser einfach nicht verstehen.

Und wo ist eigentlich der Bad-Boy, der einem doch irgendwie versprochen wurde. Gut, Noah ist verstrubbelt, trägt ne Lederjacke und fährt Motorrad. Von Außen Bad-Boy, checked. Innendrin ist er aber ein Waschlappen, wie er im Buche steht. Vielleicht wären seine Sprache und sein Handeln für den handelsüblichen Schuljungen gut gewesen (ok, hätte mich wahrscheinlich selbst da noch genervt), aber für den angeblichen Bad-Boy? Nee, das funktioniert nicht mit dem ganzen rumgeschleime.

Was bleibt, ist also keine wirklich dramatische Liebesgeschichte, sondern nur ein Mädchen, dass sich aus unerklärlichen Gründen unsterblich verliebt, total blind ist für die Dinge, die um sie herum geschehen und in endlosen Monologen darüber feststeckt, wie unglaublich kompliziert ihr Leben doch ist. Ich habe nicht viel von diesem Buch erwartet, sondern einfach nur eine schöne Liebesgeschichte. Umso erstaunlicher ist es, dass nicht einmal diese geringen Erwartungen erfüllt wurden. Einzig der flüssige Schreibstil und die Hoffnung, dass jüngere Leser sich nicht so sehr an der fehlenden Logik stören, hat das Buch noch auf die zwei Kronen gerettet.

Verlag: cbt
Seiten: 400
ISBN: 978-3570162842
Preis: 14,99 € (Broschiert)
Erscheinungsdatum: 29. April 2014
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Kommentare:

  1. Na da sind wir ja wirklich einer Meinung, was dieses Buch betrifft. Schade eigentlich, denn ich hatte mir, wie Du auch, eine schöne kitschig-romantische Geschichte gewünscht.

    Liebe Grüße,
    Moni

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  2. Danke für die ausführliche Rezi. Ich wollte das Buch eigentlich lesen, aber nun werde ich die Finger davon lassen. Lg Petra
    www.papierundtintenwelten.blogspot.de

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  3. HI FIreez

    Meine Rezension zu "Ach wie gut, dass niemand weiss" ist gerade gestern online gegangen und wie ich sehe, ging es dir nicht anders als mir. Für einmal habe ich mich beim Lesen wirklich zu alt gefühlt .... Der Einstieg mit dem Kaugummiautomaten fand ich eigentlich noch ganz gut, doch dann .... und die Sache mit Jean .... lange will er Sina noch zurück haben und dann von einem Tag auf den anderen ....
    Naja, schliessen wir das Buch einfach ab ;-)

    lg Favola

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