Mittwoch, 11. Juni 2014

Veronica Roth - "Die Bestimmung 3 - Letzte Entscheidung"























Nachdem die Fraktionen sich aufgelöst haben, flüchten Tris, Tobias und ihre Freunde aus der Stadt. Was sie jenseits des Zauns erwartet, hätte jedoch keiner von ihnen erahnt. Und so müssen sie sich erneut ihrer eigenen Identität stellen und sich für eine Seite entscheiden ...






Verzweiflung macht sich breit, wenn ich den Beginn einer Reihe so wahnsinnig geliebt habe und am Ende nur noch krampfhaft versuche, diese Begeisterung irgendwo wiederzufinden. Den ersten Band von "Die Bestimmung" habe ich regelrecht verschlungen, den zweiten fand ich ok, aber der dritte - ohje, der dritte ...

Das Desaster beginnt damit, dass die Autorin den Stil ändert, wie die Geschichte erzählt wird. Aus der ehemaligen Ich-Perspektive, die alleine Tris' Sicht erzählt, wird ein gespaltener Ich-Erzähler und Tobias tritt als zweiter Sprecher hinzu. Es wird von Kapitel zu Kapitel munter zwischen den beiden gewechselt und obwohl der jeweilige Name angibt, durch wessen Augen man blickt, konnte ich die beiden nicht auseinander halten. Sie scheinen kaum eigenes Vokabular zu haben, keine unterschiedliche Denkweise oder Ähnliches. Vielmehr verwandelt sich das ganze in einen einzelnen Ich-Erzähler, der plötzlich beide Charaktere vereint. Mag sein, dass die Trennung aus sich der Autorin unabdingbar war, aber die Umsetzung ist ihr einfach nicht gelungen.

Die beiden Protagonisten Tris und Tobias verlieren im dritten Teil komplett das Profil, dass sie im ersten Teil noch hatten. Und sollte es nicht eigentlich umgekehrt sein? Sollten sie nicht eigentlich mit einer stärkeren Persönlichkeit vor einem stehen? Ihr Schicksal oder das der Stadt hat mich einfach nicht mehr wirklich interessiert. Zwar war es noch einigermaßen interessant, wie nun die einzelnen Zusammenhänge in der dystopischen Welt sind, im Endeffekt blieb es dann aber doch zu flach und zu einfach. Und das Ende ... nunja, es hätte schocken können, und ich hätte es aufgrund des Überraschungseffektes wohl auch hoch gelobt, aber mal ehrlich: ganz plötzlich ist der letzte Band aus zwei Perspektiven geschrieben, da kann man sich doch schon am Anfang denken, wie das ganze ausgeht, oder? Auch wenn ich jedem Spoiler vorab erfolgreich ausgewichen bin, wusste ich alleine dadurch schon, wie es endet - und alleine das macht die Änderung des Erzählstils für mich zu einer unsagbar schlechten Idee.

Ein letztes Manko blieben die Nebencharaktere. Da man sich nun jenseits der Stadtgrenzen befindet, kommen einige neue Charaktere hinzu, die aber trotz aller Bemühungen für mich blass blieben. Es viel mir größtenteils wirklich schwer, einzelne Namen auseinander zu halten, da ich die Personen dazu nicht vor Augen hatte. Und immer wieder fragte ich mich, was da passiert ist? Im ersten Teil gab es diese Probleme nicht, da habe ich gelesen und mein Kopfkino sprang automatisch an. Wieso schafft die Autorin das im dritten Teil nicht? Fast könnte man meinen, sie hatte selbst keine Lust mehr zum schreiben und musste das Ganze nur irgendwie zu Ende bringen. Oder der erste Teil schwebte ihr vor, sie musste es aber unbedingt mit aller Macht in eine Trilogie verwandeln. Ich weiß es nicht.

Ich finde es sehr schade, dass es nur zu drei von fünf Kronen reicht und selbst dabei beschleicht mich noch das Gefühl, dass ein derartiger Einzelband wohl noch weniger kassiert hätte. Zu sehr habe ich den Beginn der Reihe geliebt und dadurch auch hier immer wieder verzweifelt nach guten Blickwinkeln gesucht. Bei anderen Büchern hätte ich irgendwann wahrscheinlich nur noch überflogen. Leider muss ich auch gestehen, dass ich damit oft nicht viel verpasst hätte.


Verlag: cbt
Seiten: 512
ISBN: 978-3570161579
Preis: 17,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 24. März 2014
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Kommentare:

  1. Ich habe jetzt nur dein Fazit gelesen, weil ich mich vom Finale überraschen lassen will. Aber das klingt ja nicht sehr prickelnd :/ Schade, dass dich das Buch so wenig überzeugen konnte, gerade weil du die Vorgänger sehr mochtest. Mir ging es das letzte Mal so mit der "Derlirium"-Reihe von Lauren Oliver und es ist soo schade, wenn ein Abschluss einer Trilogie/Reihe nicht würdig ist :(
    Ich bin mal sehr gespannt, was ich zu "Letzte Entscheidung" sagen werde.

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  2. Mir ging es beim dritten Band der Triloge genauso wie dir. Der erste war noch richtig toll, ich hab ihn ebenso verschlungen wie du, der zweite war ok, hat aber schon nicht mehr an den ersten ran gereicht. Der letzte Teil war für mich leider eine Katastrophe! Es konnte mich einfach nicht mehr mitreißen und ich hab mich durch das Buch kämpfen müssen und war froh als ich es endlich durchhatte. Echt schade!

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