Dienstag, 16. Juli 2013

Mette Jakobsen - "Minous Geschichte"


























Minou lebt mit ihrem Vater auf einer kleinen Insel, auf der außer ihnen nur noch ein Priester und ein "Kistenmacher" sind. Minous Mutter ist vor über einem Jahr gestorben - oder fortgegangen, wie Minou es nennt. Denn Minou ist der festen Meinung, dass sie nur genug von der Insel hatte und irgendwann wiederkommt. Als das Wasser einen toten Jungen an Land spült, beginnt Minou über alles nachzudenken und ihre Erinnerungen neu hervorzuholen.







"Minous Geschichte" ist vor allem eines: sehr ruhig. Es passiert nicht viel auf diesen gut 200 Seiten und doch kann man nicht behaupten, dass nichts passiert. Ganz am Anfang der Geschichte findet Minou einen toten Jungen im Wasser, und da nur in größeren Abständen ein Versorgungsschiff die Insel besucht, ist ihr Vater gezwungen, die Leiche irgendwie aufzubewahren. Minou fängt an mit dem toten Jungen zu sprechen und sich Gedanken über sein Leben, aber auch über ihr eigenes zu machen. 

Es ist schwer zu sagen, um was es in diesem Roman wirklich geht. Um ehrlich zu sein: Ich glaube ich habe es entweder total verpennt oder einfach nicht begriffen. Minou erzählt von ihrer gegenwärtigen Situation und von ihrer Mutter, die verschwunden ist. Und sie schreibt eine Geschichte, daher wohl auch der Titel des Buches. Aber was zum Beispiel der tote Junge in der Erzählung zu suchen hat, ist mir bis zum letzten Satz schleierhaft geblieben. Es werden keinerlei Geheimnisse um ihn aufgedeckt und (ich nehme mal das Nichts vorweg) man erfährt nichtmal, was es mit ihm auf sich hat. Rein informationstechnisch ist man nach dem Lesen des Buches auch nicht schlauer als vorher.

Andererseits muss ich aber sagen, dass mir der Schreibstil und die Erzählweise sehr gefallen haben. Es war einfach einmal etwas anderes und stets philosophisch angehaucht. Vielleicht muss man sich einfach die Zeit nehmen, sehr viel über die erzählte Geschichte nachzudenken und seine eigenen Interpretationen einzubringen. Sicher kann man dann auch irgendwann hineindeuten, was nun der tote Junge in der Geschichte zu suchen hat, oder was wirklich mit Minous Mutter geschehen ist. Ich persönlich bekomme aber gerne Geschichten präsentiert, die nur einen leichten Deutungsrahmen haben. Ein nacktes Gerüst, ohne irgendwelche voreingebaute Logik ist weniger mein Ding, weshalb ich auch diesem Buch für mich nicht so viel abgewinnen konnte.

Ich empfehle "Minous Geschichte" daher vor allem Lesern, die gerne lange über einen Roman nachdenken und ihre ganz eigene Sicht der Welt mit einbringen möchten. Wer sich (so wie ich meistens) lieber zurücklehnt und eine durchkonstruierte Geschichte erwartet, der wird hier aber wahrscheinlich eher unzufrieden sein.



Verlag: Bloomsbury
Seiten: 224
ISBN: 978-3827054999
Preis: 16,99 € (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 10. September 2012

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